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Jahresreflexion

  • Autorenbild: Studio Kuzo
    Studio Kuzo
  • 30. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Gegen Ende des Jahres verändert sich mein Blick auf die eigene Arbeit. Die Termine sind vorbei, die Räume wieder leer, und mit dem Abstand entsteht die Möglichkeit, genauer hinzuschauen, was dieses Jahr getragen hat und was davon bleibt, wenn der Alltag zur Ruhe kommt.


Ein großer Teil meiner Arbeit beginnt lange bevor ein Workshop stattfindet. Räume werden vorbereitet, Materialien ausgewählt, Abläufe durchdacht. Es geht um Entscheidungen, die später kaum auffallen und dennoch den gesamten Prozess prägen. Welche Materialien liegen bereit. Was bleibt zunächst zurück. Wie offen darf ein Setting sein. Diese Vorarbeit gehört zur eigentlichen Gestaltung, auch wenn sie nach außen kaum sichtbar ist.


Mit dem Ankommen der Teilnehmenden verändert sich der Raum spürbar. Kinder treten meist unmittelbar in den Prozess ein. Sie greifen zu Materialien, beginnen ohne Umwege und verändern ihre Entscheidungen im Tun. Erwachsene gehen häufig vorsichtiger vor. Sie beobachten, wägen ab, suchen Orientierung. Diese unterschiedlichen Zugänge haben sich mir in diesem Jahr besonders deutlich gezeigt.


In der Arbeit mit Kindern entsteht Bewegung schnell. Materialien werden selbstverständlich genutzt, Richtungen gewechselt, Ideen verworfen und neu gedacht. Sichtbar sind Bilder, Formen und Spuren. Parallel dazu entsteht etwas, das weniger greifbar ist. Vertrauen. Selbstwirksamkeit. Die Erfahrung, dass ein offener Prozess tragen kann.


Bei Erwachsenen verläuft vieles langsamer und reflektierter - beobachte ich oft. Entscheidungen werden bewusster getroffen, Pausen gewinnen an Bedeutung, und das Arbeiten bekommt einen anderen Rhythmus. Sichtbar sind konzentrierte Arbeiten, oft klar strukturiert. Unsichtbar bleibt der innere Prozess, der parallel stattfindet. Erwartungen werden verhandelt, Leistungsansprüche relativiert, und es entsteht häufig die Erlaubnis, sich Zeit zu nehmen.


Nach einem Workshop wird aufgeräumt. Der Raum verändert sich zurück, Materialien verschwinden, sichtbare Ergebnisse werden mitgenommen oder lösen sich auf. Was bleibt, ist Erfahrung. Sie lässt sich nicht archivieren und nur bedingt hier dokumentieren.


Ein Teil dieser Arbeit taucht später auf meinem Instagram-Kanal auf. Bilder, kurze Rückmeldungen und einzelne Einblicke zeigen, dass etwas stattgefunden hat. Sie zeigen nicht das Davor, nicht das Dazwischen und nicht das Danach. Sie können den Prozess nur ausschnittsweise abbilden.


Rückblickend ist mir in diesem Jahr deutlich geworden, wie viel meiner Arbeit im Unsichtbaren liegt und wie viele Entscheidungen darin enthalten sind. Ein Raum ist nie neutral. Er kann einladen oder hemmen, Nähe erzeugen oder Distanz schaffen. Er kann zu warm oder zu kühl sein. Wo Workshops stattfinden, ist daher keine organisatorische Randfrage, sondern Teil der inhaltlichen Arbeit.


Auch Fragen der Zugänglichkeit haben an Gewicht gewonnen. Wie teuer darf ein Workshop sein. Wen erreicht er. Wen schließt er möglicherweise aus. Zwischen der Wertschätzung der eigenen Arbeit und der Offenheit für unterschiedliche Lebensrealitäten entsteht ein Spannungsfeld, das sich nicht auflösen lässt, sondern immer wieder neu ausgehandelt werden muss.


Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit, das in diesem Jahr stärker in den Fokus gerückt ist. Mit der Entscheidung, nachhaltiger zu arbeiten, verändern sich Materialien, Abläufe und Zeiträume. Prozesse werden langsamer. Manche Möglichkeiten fallen weg, andere entstehen neu. Diese Entscheidungen wirken direkt auf die Gestaltung der Workshops zurück.


Diese Fragen haben sich im Laufe des Jahres verdichtet, ohne nach eindeutigen Antworten zu verlangen. Ein Workshop ist kein fertiges Produkt. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Raum, Menschen, Haltung und Entscheidungen. Genau dieses Zusammenspiel bleibt in Bewegung.


Parallel dazu sind bereits neue Formate entstanden. Viele Workshops für 2026 sind in diesem Jahr vorbereitet und weitergedacht worden. Sie werden Anfang des kommenden Jahres veröffentlicht und knüpfen an die Erfahrungen und Fragen an, die dieses Jahr geprägt haben.


Zum Schluss gilt mein Dank allen, die Teil dieser Arbeit waren. Den Kindern und Erwachsenen, die sich auf Prozesse eingelassen haben. Den Kooperationspartnerinnen und Weggefährtinnen, mit denen Austausch, Vertrauen und gemeinsames Denken möglich waren. Diese Arbeit entsteht nicht allein. Sie lebt von Begegnung, Offenheit und dem gemeinsamen Unterwegssein.

 
 
 

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