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Ein Jahr nachhaltiges Malstudio: ein Rückblick

  • Autorenbild: Studio Kuzo
    Studio Kuzo
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

Auch Müll muss man verwalten


Es ist jetzt ungefähr ein Jahr her, dass ich entschieden habe, mein Malstudio nachhaltiger zu gestalten. Zeit für einen kleinen Rückblick. Und vielleicht auch für einen vorsichtigen Blick nach vorn.

Als ich anfing, mich mit dem Thema zu beschäftigen, kam ziemlich schnell die Frage auf, ob Kunst überhaupt nachhaltig sein muss. Darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche Kunstschaffende sagen ganz klar: Nein, Kunst muss das nicht. Kunst darf Ausdruck ihrer Zeit sein und dafür auch die Materialien benutzen, die sie braucht. Andere sagen dazu gar nicht besonders viel.

Ich habe versucht, mir meine eigene Meinung zu bilden.

Für mich war irgendwann klar: Wenn ich ein Atelier betreibe und dort mit anderen Menschen, vor allem auch mit Kindern, arbeite, habe ich eine gewisse Vorbildfunktion. Aber auch unabhängig davon fühle ich mich als Mensch dazu angehalten, meinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Ich wollte also herausfinden, was sich verändern lässt, ohne dass mir dabei die Freude am Arbeiten verloren geht.

Und inzwischen weiß ich: Das geht.

Allerdings sieht ein nachhaltiges Atelier nicht unbedingt besonders aufgeräumt aus. Denn wenn man plötzlich in jedem Stück Pappe, jedem Fehldruck und jeder Verpackung noch eine künstlerische Möglichkeit erkennt, besitzt man zwar weniger neu gekaufte Dinge, dafür aber sehr viel sorgsam sortierten Müll.

Und auch Müll muss man verwalten.

Das ist vermutlich eine der etwas weniger romantischen Erkenntnisse dieses Jahres.

Ich habe tatsächlich sehr wenig neues Material gekauft. Im Jahr davor war das noch ganz anders. Was ich allerdings gekauft habe, waren Kisten. Viele Kisten. Kisten für dünnes Papier, dickes Papier, buntes Papier, Pappen, Verpackungen, alte Zeichnungen und Dinge, von denen ich noch nicht weiß, was sie einmal werden sollen.

Denn nur weil etwas noch benutzt werden kann, ist es ja nicht automatisch sinnvoll aufgehoben. Wenn alles durcheinanderliegt und ich nichts wiederfinde, habe ich am Ende lediglich ein sehr nachhaltiges Chaos geschaffen.

Also habe ich angefangen, Papierlager anzulegen und Materialien so zu sortieren, dass ich tatsächlich damit arbeiten kann. Daraus sind zum Beispiel meine Käfer, Masken, kleinen Büchlein und andere Upcyclingarbeiten entstanden. Ich nehme diese Materialien auch mit in meine Kurse und stelle sie den Teilnehmenden zur Verfügung.

Das Schöne daran ist, dass sich der Blick verändert. Eine Verpackung ist dann nicht mehr nur eine Verpackung. Ein Stück Pappe kann ein Körper werden, ein Papierrest ein Flügel und ein alter Fehldruck vielleicht der Anfang von etwas Neuem.


Auf einem Arbeitstisch liegen alte Verpackungen, Papierreste, ausgeschnittene Figuren, eine Schere und gelbes Garn. Keine Werbung, sondern eine kleine Auswahl der Materialien, aus denen ich am liebsten Zine-Büchlein gestalte.
Auf einem Arbeitstisch liegen alte Verpackungen, Papierreste, ausgeschnittene Figuren, eine Schere und gelbes Garn. Keine Werbung, sondern eine kleine Auswahl der Materialien, aus denen ich am liebsten Zine-Büchlein gestalte.

Natürlich kann und möchte ich nicht alles aufheben. Auch das gehört zu diesem Prozess. Ich muss immer wieder entscheiden: Ist das wirklich noch Material oder kann das weg? Sonst wächst das Papierlager irgendwann bis zur Decke und ich muss mein Atelier wegen Überfüllung schließen. Nachhaltiges Arbeiten bedeutet für mich deshalb nicht, ausnahmslos alles zu retten. Es bedeutet, bewusster zu entscheiden, was ich kaufe, was ich benutze, was ich aufbewahre und was ich entsorge.

Verändert hat sich in diesem Jahr auch die Art, wie ich mit Farben arbeite.

Ich bin ja eine Person, die Streetart sehr liebt. Nachdem ich die ersten Graffitikurse angeboten hatte, habe ich allerdings ziemlich schnell entschieden, damit nicht weiterzumachen. Zumindest nicht mit Spray- und Lackdosen. Ich hatte zunächst versucht, ökologische Varianten zu finden. Aber irgendwann dachte ich: Nee. Davon verstehe ich noch nicht genug und die Belastung durch die Materialien passt nicht zu dem Weg, den ich mit meinem Studio gehen möchte.

Diese Entscheidung ist mir erstaunlich leichtgefallen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil Streetart ja sehr viel mehr sein kann als Graffiti aus der Dose. Ich mag Paste-ups und das Arbeiten mit Papier ohnehin sehr. In diesem Sommer bin ich außerdem auf eine weitere Idee gestoßen, die ich gern verfolgen möchte. Noch weiß ich nicht genau, was daraus wird. Wenn es funktioniert und mir Spaß macht, werdet ihr es aber mitbekommen.


Bei den Farben habe ich zunächst viel mit Temperafarben gearbeitet. Inzwischen beginne ich, Lehmfarben auszuprobieren, und möchte mich zukünftig stärker mit Pigmenten beschäftigen.

Natürlich ist das Arbeiten damit anders. Aber ich fühle mich dadurch nicht eingeschränkt. Ich muss nicht weniger gestalten, sondern manchmal einfach anders. Und häufig entstehen gerade daraus neue Ideen.


Ein Thema, das mich weiterhin beschäftigt, ist der Umgang mit Acrylfarbe. Sie ist überall erhältlich und wird von sehr vielen Menschen benutzt. Was jedoch kaum jemand weiß: Das farbige Wasser vom Auswaschen der Pinsel gehört nicht einfach in den Ausguss. Acrylfarbe enthält Kunststoffbinder und Farbreste sollten deshalb nicht über das Abwasser entsorgt werden.

Auch ich musste mich erst damit beschäftigen, wie man Malwasser sammelt, Farbreste trocknen lässt und anschließend richtig entsorgt. Was genau erlaubt ist, kann je nach Material und örtlichem Entsorgungsbetrieb unterschiedlich sein. Flüssige Farbreste gehören in der Regel zum Wertstoffhof oder Schadstoffmobil. Vollständig getrocknete Reste wasserbasierter Farben können häufig über den Restmüll entsorgt werden.

In meinen Kinderkursen wissen die Kinder inzwischen jedenfalls: Acrylwasser kommt nicht in den Ausguss. Das ist keine große pädagogische Veranstaltung. Es gehört bei uns einfach zum Malen dazu.


Mein Fazit nach diesem ersten Jahr ist deshalb: Es ist möglich, ein Malstudio nachhaltiger zu gestalten. Nicht vollkommen und vermutlich auch nie abgeschlossen. Aber Schritt für Schritt.

Ich habe weniger gekauft, mehr ausprobiert und begonnen, vorhandene Materialien anders zu betrachten. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass auch das Aufheben Grenzen braucht und dass ein gutes Sortiersystem manchmal genauso wichtig ist wie die gute Absicht.

Im kommenden Jahr möchte ich diesen Weg weitergehen. Ich möchte mehr mit Lehmfarben und Pigmenten arbeiten, weiter nach umweltverträglicheren Möglichkeiten für Streetart suchen und noch genauer hinschauen, welche Materialien ich wirklich brauche.

Vielleicht ist das auch schon mein einziger kleiner Appell: Man muss nicht sofort alles verändern. Aber man kann anfangen, sich dafür zu interessieren, womit man eigentlich arbeitet, was davon im Ausguss landet und was sich verwenden lässt, bevor man etwas Neues kauft.

Und dann braucht man Kisten.

Viele Kisten.


In diesem Sinne: auf ein neues, fröhliches und möglichst nachhaltiges Atelierjahr.

PS: Im kommenden Jahr möchte ich auch einen Methodenkurs zum künstlerischen Arbeiten mit Alltags- und Restmaterialien anbieten. Wobei nachhaltig dafür vielleicht gar nicht das richtige Wort ist. Es geht vielmehr darum, mit dem zu arbeiten, was ohnehin vorhanden ist, ohne vorher eine große Einkaufsliste abzuarbeiten. Ein paar Grundmaterialien wie Stifte, Kleber oder Farben braucht es natürlich trotzdem. Wobei man selbst die mit dem entsprechenden Wissen selbst herstellen könnte.


 
 
 

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